Genetische Vielfalt oder die Zucht mit Abessiniern, Träger-Tieren und der Blutgruppe BB

Somali als Rasse haben einen sehr eingeschränkten, genetischen Pool auf den in der Zucht zurückgegriffen werden kann, was sich durch ihre Entstehungsgeschichte sehr einfach erklären lässt.
Die Rasse gleicht genetisch fast zu 100% den Abessiniern, aber irgendwann in der Zeit des 2’ten Weltkrieges, als man aufgrund der Kriegswirren und Verlusten nicht nur genotypische sondern auch phänotypische Abessinier-Katzen zur Zucht verwenden musste, schlich sich höchst wahrscheinlich das rezessive Langhaargen in die Rasse der Abessinier ein. Vorerst bemerkte niemand diesen Umstand.
Nachdem jedoch der Urenkel von Roverdale Purrkins aus England in die USA verkauft worden war, fielen immer wieder langhaarige Kätzchen unter Raby Chuffa of Selene‘s Nachkommen auf. Zunächst wurden diese aus der Zucht ausgesondert, doch die Züchterin Evelyn Mague (Cattery Lynn-Lee) nahm sich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der langhaarigen Abessinier an, fand Mitstreiter und begann die gezielte Zucht dieser Katze, der heutigen Somali.
Genetisch unterscheiden sich die 2 Rassen also nur im rezessiven Lang- bzw. dominanten Kurzhaargen. Die Somali Rasse lässt sich somit auf eine Hand voll von Katzen zurück führen und damalige Züchter waren zur Inzucht gezwungen, um die Rasse nicht aussterben zu lassen.
Da in den Kriegszeiten auch phänotypische Abessinier (dem Aussehen nach) verwendet wurden, traten in den Nachkommen auch viele unerwünschte Merkmale wie Streifen an den Beinen, Halsketten und Fehler in der Farbgebung auf. All diese Tiere konnten nicht weiter in der Zucht eingesetzt werden, wollte man die ursprünglichen Merkmale der Rasse Aufrecht erhalten. Somit kam es zu einer weiteren Einschränkung der genetischen Vielfalt in der Rasse. Zusätzlich verstarben in den 70’er Jahren viele der Zuchtkatzen in Europa an FeLV, besonders betroffen der Bestand in England. Dort wurde in diesem Zeitfenster wieder auf nicht reinerbige Katzen (z.B. Siamesen, Burmesen) zur Zucht zurück gegriffen. Wenn sie sich die Stammbäume von Abessiniern und Somalis diesbezüglich ansehen, werden sie bestimmt in den meisten Fällen fündig werden.

Wie man heute weiß, ist die Wahrscheinlichkeit höher das genetische Erbkrankheiten (Herzkrankheiten, Hauterkrankungen, Erkrankungen des Immunsystems) auftreten, je näher die Tiere miteinander verwandt sind. Dies gilt übrigens für alle Rassen! Daher sind heutige, seriöse Züchter sehr darauf bedacht, keine Inline-Zuchten oder Inzuchten zu betreiben. Für die Somalis bedeutet das, dass bei den meisten Vereinen die Verpaarung mit Abessiniern erlaubt ist. Diese Nachkommen werden je nach Verein als Abessinier (sehen phänotypisch so aus) oder Abessinier variant bezeichnet. Sie tragen auf jeden Fall ein dominantes Kurzhaargen (L) und ein rezessives Langhaargen (l), sind also mischerbig (Ll).
Reinerbiges Somali Beispiel: AAblblCCDdiillTaTa
Reinerbiges Aby Beispiel: AAblblCCDdiiLLTaTa
Mischerbiges Aby variant Beispiel: AAblblCCDdiiLlTaTa

Um sich in der Zucht, die genetische Vielfalt so groß wie möglich zu erhalten, arbeiten Züchter deshalb auch oft mit Tieren, die ein rezessives Pyruvatkinase-Mangel Gen (PK, siehe Homepage unter Info) oder rezessives Progressive Retina Atrophie Gen (PRA, siehe Homepage unter Info) tragen. Aber niemals wird ein seriöser Züchter zwei Träger Eltern-Tiere, die je ein rezessives Gen der gleichen Krankheit tragen miteinander verpaaren, da in diesem Fall Jungtiere mit der Krankheit geboren werden könnten. Bitte erkundigen sie sich immer vor dem Kauf eines Tieres, ob der Züchter ihrer Wahl seine Zuchttiere genetisch auf diese beiden Krankheiten untersucht hat und lassen sie sich eventuell die Testergebnisse der Elterntiere zeigen.
Träger-Tiere in der Zucht völlig auszuschließen, schränkt die genetische Vielfalt unserer Rasse erheblich ein. Die Züchter sollten jedoch offen mit der Information arbeiten, bei der Partnerwahl besondere Vorsicht walten lassen und ihnen die Information offen darlegen.

Selbiges gilt für Tiere mit der Blutgruppe B.
Ungefähr. 25% - 30% der Somalis tragen zumindest ein rezessives Blutgruppen b Gen. Sie aus der Zucht auszuschließen, würde bedeuten auf 30% der genetischen Vielfalt in der Rasse zu verzichten.
Serologisch und genetisch auf Blutgruppe B getestete Tiere sind reinerbig bb. Serologisch auf Blutgruppe A getestete Tiere können einerseits reinerbig AA sein oder mischerbig Ab, wobei A das dominante Gen und b das rezessive Gen darstellt.
Ein Problem der Blutgruppe B in der Zucht besteht nur darin, wenn eine Katze mit Blutgruppe B mit einem Kater der Blutgruppe A (AA, Ab) verpaart wird. Die Katze bildet sehr starke Antikörper gegen das Blutgruppen A Gen aus. Wenn sich aus der obigen Verpaarung Kitten der Blutgruppe A (Ab) entwickeln, dann würden die Antikörper der Muttermilch in den ersten 16 - 24 Stunden die Darmpassage des Kittens überwinden und zu Antikörperreaktionen im Kitten führen, die in hoher Wahrscheinlichkeit tödlich enden. Nach diesem Zeitraum verändert sich die Darmdurchlässigkeit und die Kätzchen sind nicht mehr gefährdet. Züchter die mit Tieren der Blutgruppen B arbeiten, versorgen die Kitten daher in den ersten Stunden mit Ersatzmilch.

Zum Glück für uns Züchter können unsere Tiere mittlerweile bereits genetisch auf PK, PRA und Blutgruppe untersucht werden, um Erkrankungen bzw. Todesfälle aufgrund dieser 3 Faktoren in der Zucht auszuschließen.